Als Serafin alt genug war, einen Beruf zu wählen, sah er sich vor die ernste und schwierige Frage gestellt, was er werden sollte.
    Generaldirektor? Aber doch nicht mit solchen Haaren!
    Grosswildjäger? Serafin konnte keiner Fliege etwas zuleide tun.
    Vielleicht Taucher? Serafin war schon immer wasserscheu.
    Polizist? Serafin passte gar nicht gern auf andere Leute auf.
    Feuerwehrmann? Serafin hatte einen so festen Schlaf, dass keine Alarmglocke ihn aufwecken konnte.
    Weihnachtsmann? Vom kalten Wetter bekam er immer gleich Schnupfen.
    Was aber sonst? Zu guter Letzt bewarb sich Serafin als Fahrkartenknipser in der Untergrundbahn.
    »Haben Sie schon in einem anderen Betrieb geknipst?« wurde er gefragt.
    »Nein«, sagte serafin_
    »Kommen Sie morgen wieder. Sie können zur Probe knipsen, dann werden wir weitersehen.«
    Nach Hause zurückgekehrt, übte Serafin den ganzen Abend lang: von der Quittung für die Miete bis zu seiner Sonntagskrawatte knipste er alles, was ihm unter die Finger kam.
    Am Montag darauf war er eingestellt.
    Anfangs machte der Beruf Serafin Freude. Es war lustig, die Züge vorbeifahren zu sehen. Alle drei Minuten in der Hauptverkehrszeit, alle acht Minuten bei normalem, alle fünfzehn Minuten bei schwachem Verkehr.
    Doch eines Tages, ohne zu wissen warum, fand Serafin alles traurig: die Leute, die Waggons und die Station. Was tun? Selber traurig werden? Unmöglich. Serafin war schon immer ein Optimist.
    Er holte ganz einfach Blumen und schmückte sein Knipserhäuschen damit. Das war hübsch und duftete herrlich; es war, als sei die Sonne plötzlich bis zu ihm hinunter gedrungen.
    Aber niemand schien die Veränderung bemerkt zu haben. Die Benützer der Untergrundbahn sehen nämlich immer zu Boden!
    Niemand? Ausser einem: der Stationsvorsteher hielt die Augen offen.
    »Noch einmal so eine eigenmächtige Handlung, Herr Serafin, und ich melde Sie dem Chef der Untergrundbahn!«